Es ist der Dauerbrenner am Kiosk um die Ecke. Wer an Lotto denkt, denkt meist an dieses eine Spiel. Die Rede ist vom wohl bekanntesten Glücksspiel im Land: LOTTO 6aus49. Nun wird der Klassiker im Südwesten 60 Jahre alt. Eine Retrospektive. 

Ein langer Weg zum Lottoglück in Baden-Württemberg

Lang, lang ist’s her. Immerhin 60 Jahre. Da fand die erste Lottoziehung mit baden-württembergischer Beteiligung statt – nämlich am 13. April 1958 in Hamburg. Baden-Württemberg schloss sich als eines der letzten Bundesländer dem frisch gegründeten Deutschen Lottoblock an. In anderen Bundesländern durften die Leute schon seit ein paar Jahren Lotto spielen. Im pietistisch geprägten Südwesten konnten vor allem Kirche und Politik lange Zeit dem vermeintlich „teuflischen“ Spiel nicht viel abgewinnen. Zudem widersprach das schnelle – nicht selbst erarbeitete –  Lottoglück dem Bild des fleißigen Schwaben, der nur durch „Schaffa, Schaffa“ sich sein „Häusle baua“ kann. Doch man merkte recht schnell: „Wenn die Leute bei uns nicht spielen können, wandert das Geld halt in die Nachbarländer“. Die Stimmen der Lotto-Anhänger wurden infolge immer lauter. So wurde dann am 6. März 1958 das umstrittene Lottogesetz nach elfmonatiger Diskussion im Landtag verabschiedet. Keine drei Wochen später trat dann auch die Staatliche Sport-Toto GmbH Baden-Württemberg dem Deutschen Lottoblock bei. Und so kam es dann bereits wenige Wochen später zur Jungfernziehung. Die ersten Zahlen waren übrigens: 10, 13, 16, 28, 29 und 47. Die Zusatzzahl, die es damals noch gab, war die 18. Der Spieleinsatz der ersten Ziehung im Land betrug 812.893 D-Mark. Zum Vergleich: 2017 lagen die durchschnittlichen Spieleinsätze für den Klassiker im Südwesten bei rund neun Millionen Euro pro Woche.

Historische Ziehung
Zu Beginn des Lottospiels zogen oft Waisenkinder die berühmten „6 Richtigen“.

Die Lotto-Euphorie beginnt!

Was zu erwarten war, trat dann auch tatsächlich ein: Die Leute kreuzten munter Kästchen um Kästchen an. Es entwickelte sich ein regelrechte Euphorie im Land. Alle wollten dabei sein. Keiner wollte etwas verpassen. Lotto war neu, Lotto war modern, Lotto stand für  Aufbruch.

Auch Glücksbringer spielen selbst Lotto: Der Hype lässt kaum jemanden kalt.

Auch die Politik konnte so langsam aber sicher dem staatlichen Glücksspiel etwas abgewinnen. Denn: Wer Lotto spielt, hilft seit jeher nicht nur seinem persönlichen Glück auf die Sprünge, sondern tut auch etwas Gutes. Von Anfang an war der Leitgedanke, dass alle von den Lotterieerlösen profitieren sollen. Durch Lotto konnten neben dem Sport infolge dann auch kulturelle Projekte unterstützt werden. Denkmalschutz und soziale Projekte kamen nach und nach dazu. In den Wettmittelfonds fließt ein Großteil der aus den staatlichen Lotterien erzielten Überschüsse. Im Lauf der Jahre kamen so mehr als 14 Milliarden Euro Fördergelder zusammen. Allein 2017 waren es 59,3 Millionen Euro für den Sport, 33,3 Millionen Euro für Kunst und Kultur, 24,9 Millionen Euro für die Denkmalpflege und 14,9 Millionen Euro für soziale Projekte in Baden-Württemberg.

Scheinauswertung

Wandel durch Änderung

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in Deutschland vieles geändert: Auch LOTTO 6aus49. Das Lotto-Fieber stieg auch im bodenständigen Südwesten und so wurde zum Beispiel im Jahr 1981 der Höchstgewinn auf 3 Millionen D-Mark verdoppelt. Ein Jahr später folgte die Einführung des Mittwochslottos. Im Jahr 1985 fiel dann die Begrenzung des Höchstgewinns ganz weg.

Digitalisierung des Lottospiels

Zahlen, Zahlen nichts als Zahlen. In den Anfangsjahren mussten tatsächlich alle Scheine händisch kontrolliert werden. Bis zu 1.000 Personen bzw. 2.000 Augen waren dafür nötig. Zwar wurden schon zu Beginn die Lottoscheine auf Mikrofilme abfotografiert, um größtmögliche Sicherheit zu garantieren. Aber erst in den 1970er half eine Einlesemaschine den Scheinprüfern dabei. Das Ablesen mit Schablonen näherte sich dem Ende. Jedoch hatte die Maschine auch einen Haken: Zerknitterte Scheine konnten nicht eingelesen werden. So kam es nicht selten vor, dass Lottoscheine extra gebügelt werden mussten. wurden! Heute ist das alles zum Glück einfacher: In der Annahmestelle liest ein hochmodernes Terminal die Daten per Kamera schnell und präzise ein. Durch ein großes Display sowie eine einfache und moderne Menüführung sind sie besonders bedienerfreundlich für das Personal vor Ort.

Scheine sortieren
Aufwändiges Sortieren wurde erst mit den Jahren weniger… Digitalisierung sei Dank!

Tausende glückliche Gewinner

Wie viel haben die Baden-Württemberger in den vergangenen 60 Jahren eigentlich für Lotto ausgegeben? Die Antwort lautet: Mehr 24 Milliarden Euro! Das Beste daran: Exakt 50 Prozent davon flossen in Form von Gewinnen an die Mitspieler zurück. Während der erste Sechser im Jahr 1958 dem Gewinner „nur“ 500.000 DM einbrachte, erzielte der baden-württembergische Rekordgewinner im Jahr 2011 24,8 Millionen Euro. Insgesamt durften sich bereits über 3.000 Glückspilze über einen Lotto-Sechser freuen. Mehr als 750 Baden-Württemberger schafften sogar den Sprung in den „Club der Millionäre“.

Auf weitere 60 Jahre! 

Der Klassiker LOTTO 6aus49 ist eine Erfolgsgeschichte. Neben dem persönlichen Glück für tausende Spieler sind natürlich die jährlichen Zweckerträge in Millionenhöhe für das Land ein echter Glücksfall. Möglich gemacht wird dies – auch wenn das Online-Lotto gerade für jüngere Tipper immer praktischer wird – vor allem immer noch über die rund 3.200 Annahmestellen im Land. Sie sind das Rückgrat von Lotto und bleiben der wichtigste Vertriebsweg. Immerhin sorgen sie aktuell für ca. 90 Prozent der Spieleinsätze. Zudem erfüllt „der Kiosk um die Ecke“ samt Lotto-Angebot für viele Menschen immer noch eine wichtige soziale Funktion: Hier kennt man sich, hier schwätzt man, hier kauft man ein. Und hier versucht man von Zeit zu Zeit sein Glück. Hoffentlich auch noch in 60 Jahren.

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