Märchen: Hinein ins Glück

In die Welt der Märchen einzutauchen, bedeutet auch, sich dem Glück zuzuwenden. Denn Glück und Pech spielen darin so oft eine Rolle. Dass ich dies mit knapp 40 wieder für mich entdecken konnte, habe ich meiner Tochter zu verdanken. Was für ein Glück!

Bei uns zu Hause liegen Grimms Märchen als schön illustrierte Gesamtausgabe allabendlich griffbereit, um meiner Tochter vor dem Einschlafen noch ein Vorlesevergnügen zu bescheren. Immer ganz vorn in der Gunst: Märchen, in denen es ums große Glück geht.

Was ist das eigentlich? Das fragen wir uns alle. So oft. Als Lotto-Mitarbeiter arbeiten wir daran, dass jemand Glück erfährt. Wenn er einen Großgewinn verbuchen kann. Wirtschaftlich unabhängig zu sein, ist sicher eine Facette von Glück. Aber nicht das alleinige, das absolute Glück. Was ist Glück also? Das fragt mich natürlich meine Tochter auch.  Sie ist fünf Jahre alt. Glück zu haben, hat für sie so viele Bedeutungen. Wenn wir zum Beispiel pünktlich zum Sandmännchen zu Hause sind, „dann haben  wir Glück gehabt, Papa, sonst hätten wir das verpasst“, wie sie mir neulich, bar jeder Kenntnis über Mediatheken und Streaming-Dienste, versicherte. „Ja“, sage ich, „haben wir. Und dass wir gesund sind und in einer Wohnung leben können, in einem Land, in dem kein Krieg herrscht.“

Denn gewaltreiche Konflikte, zum Teil viel grausamer als ich sie in Erinnerung hatte,  gehören auch zur Welt der Märchen. Wenn solche Passagen vorkommen, kuschelt sich meine Tochter eng an mich und sagt kurze Zeit später: „Da haben wir aber Glück gehabt, dass es nicht zu lange gruselig war.“ Und freut sich, dass es sich im weiteren Verlauf wieder um glücklichere Themen handelt. „Die drei Glückskinder“ mag sie sehr gern. Auch der „Hans im Glück“ ist für sie ein gern gehörtes Märchen geworden. Aber am schönsten findet sie es, wenn es lange für die Hauptfigur nicht gut aussieht, die Handlung dann eine positive Wendung nimmt und – wie im Fall von Aschenputtel – das große Glück am Ende doch eintritt. Dann freut sich meine Tochter für das Aschenputtel so sehr, als gäbe es dieses als reale Person.

Was für ein Glück! Ich darf es mit meiner Tochter in der Welt der Märchen erfahren und gelange so noch zu einer weiteren, viel wichtigeren Facette des Glücks: Sich mit anderen zu freuen. Denn das macht glücklich. Egal ob beim Lotto-Gewinn oder im Märchen.

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