Bundesliga: Zwischen Europacup und Existenzangst

Die Erwartungen an eine spannende Fußball-Bundesligasaison 2017/18 sind hoch im Südwesten. Der SC Freiburg und die TSG Hoffenheim haben mit Platz 7 bzw. sogar Platz 4 eine erfolgreiche Bundesliga-Spielzeit hinter sich. Und der VfB Stuttgart ist wieder da, wo ihn alle – und vor allem er sich selbst – etatmäßig verorten: in der 1. Bundesliga. Mein Tipp: Er wird sich dort behaupten. Zudem stehen heiße Derbys auf dem Programm. Eine umfassende Saisonvorschau haben übrigens auch die Kollegen vom Glüxmagazin ab Seite 6 im Blatt.

Egal ob er seine Worte an die Presse oder an die eigene Mannschaft richtet, ganz gleich ob er über galaktisch hohe Ablösesummen oder über modernes Gegenpressing philosophiert: Freiburgs Trainer Christian Streich findet immer die richtigen Worte. Deshalb muss man sich in Baden-Württemberg zur neuen Spielzeit keine Sorgen um den SC Freiburg machen. Auch namhafte Abgänge wie Vincenzo Grifo oder Maximilian Philipp wird der SC zu kompensieren wissen. Warum? Weil Christian Streich stets die richtigen Worte … ja, ich weiß, das hatten wir schon. Und weil der Freiburger Nachwuchs fast immer ein neues Talent hervorbrachte, wenn zuvor ein Leistungsträger den Club verlassen hatte. Das Kollektiv steht im Breisgau über dem Einzelkönner. Mein Tipp: Klassenerhalt, ein einstelliger Tabellenplatz wird in der kommenden Saison aber nicht zu wiederholen sein. Wetten? In meiner Toto-Tipprunde werden wir sehen, ob ich richtig liege.

In Hoffenheim ticken die Uhren etwas anders. Neben einem jungen Trainer, der den Ensemble-Gedanken ebenso wichtig erachtet wie sein Kollege in Freiburg, gibt es im Kader der Kraichgauer auch ein paar Einzelkönner mit Starpotenzial. Einer davon ist Andrej Kramaric. 15 Tore und 8 Vorlagen brachte der Kroate in der vergangenen Spielzeit zustande. Ein abgezockter Stürmer, der zudem vom Punkt die Nerven behält. Auf ihn konnte sich Coach Julian Nagelsmann verlassen. Genauso wie auf seine weiteren Schlüsselspieler. Dazu zählten in der Abwehr Niklas Süle und im Mittelfeld Sebastian Rudy. Die beiden tragen jetzt das Trikot des Rekordmeisters aus München. Für die Robustheit in der Defensive und die umsichtigen Pässe müssen sich jetzt andere kümmern. Mit Havard Nordtveidt haben sich die Nordbadener mit einem Defensivspezialisten verstärkt, dem die Ruhe am Ball und die Bundesliga nicht fremd sind. Und mit der Leihe von Bayern-Neuzugang Serge Gnabry wird das offensive Tempo auf den Flügeln gestärkt. Da Bayern, Leipzig und Dortmund auch kommende Saison vorne zu erwarten sind und auch andere Teams nachdrängen, wird es schwer für die TSG die Vorjahresplatzierung zu wiederholen. Für Europa wird es reichen, aber die Champions-League-Quali wird nicht drin sein. Mein Tipp: Platz 5 bis 7.

Kommen wir zum für mich als Stuttgarter wichtigsten Südwest-Bundesligisten: dem VfB Stuttgart. Nach dem Abstieg 2016 ist dem Club der sofortige Wiederaufstieg geglückt. Mit dem Kader aus der Abstiegssaison hat das aktuelle Team fast nichts mehr gemeinsam. So gut wie keinen Stein ließ Sportvorstand Jan Schindelmeiser auf dem anderen. Mit Erfolg. Dem auch künftig nichts im Wege zu stehen schien, votierten die Mitglieder doch in der Sommerpause für eine Ausgliederung des Profifußballs in eine AG, um mehr finanziellen Spielraum durch Investoren zu bekommen. Trotzdem wurde Schindelmeiser zu Saisonbeginn durch Michael Reschke ersetzt, der vom FC Bayern zu den Schwaben kam. Wenn Reschke es schafft, den eingeschlagenen Weg in der Bundesliga weiterzugehen und nur an kleinen Stellschrauben Änderungen vorzunehmen, kann der VfB die Wogen, die durch die Schindelmeiser-Entlassung entstanden sind, wieder glätten. Der Stolper-Auftakt im DFB-Pokal hinterließ noch einige Fragezeichen bezüglich der Bundesligatauglichkeit des VfB. Der junge Aufstiegstrainer Hannes Wolf ist in keiner leichten Situation. Er und seine Mannschaft sind noch relativ unerfahren und einige Neuzugänge müssen erst noch erfolgreich integriert werden. Zudem dürfen in diesem fragilen Gebilde eigentlich keine Leistungsträger längerfristig ausfallen.

Auf seine Fans kann sich der VfB auch in der neuen Saison verlassen.

Auf wen sich der VfB garantiert verlassen kann, sind seine Fans. Nach dem Zuschauerrekord der vergangenen Zweitligasaison werden es in Liga 1 garantiert nicht weniger Fans, die dem VfB ins Stadion folgen. Gelingt es Wolf dann im Verbund mit dem Vorstand die Ruhe im Verein zu bewahren, wird der VfB das Abenteuer nach dem Wiederaufstieg bestehen. Daran glaube ich auch. Mein Tipp: Platz 12 bis 15.

Nachdem es im Vorjahr nur ein Derby gab, Freiburg gegen Hoffenheim, Südbaden gegen Nordbaden, mischen mit dem VfB die Schwaben endlich wieder mit. Gerade die Duelle gegen die badischen Rivalen waren in der Vergangenheit immer packende Spiele mit hohem Unterhaltungswert. So schlug der VfB die Hoffenheimer im März des vergangenen Jahres mit 5:1 – und musste am Ende der Saison doch absteigen.

Ob ich mit meinen Prognosen für die neue Bundesliga-Saison richtig liegen werde, weiß ich natürlich noch nicht. Vielleicht sollte ich mein Fachwissen gewinnbringend bei Oddset einbringen. Freuen wir uns also auf eine spannende neue Saison. Als Partner des Sports in Baden-Württemberg drücken wir von Lotto Baden-Württemberg natürlich allen Südwest-Teams die Daumen.

P.s.: Wer Meister wird, ist mir egal.

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