Wie fühlt es sich wohl an, von 4.000 Metern aus einem Flugzeug zu springen? Weil mich das schon immer interessierte, wagte ich vor einigen Wochen gemeinsam mit Turn-Legende und Lotto-Testimonial Eberhard Gienger den Sprung in die Tiefe … Wie es dazu kam und warum ich dies jetzt mindestens ein Mal pro Jahr machen möchte, erfahrt ihr in meinem Erlebnisbericht.

Vermutlich fragt sich jeder Mensch jenseits des Teenageralters eines Tages: „Was will ich in meinem Leben unbedingt ausprobiert haben?“ Vielleicht ist das auch eine typisch männliche Sicht auf das Leben, ich weiß es nicht. Was ich aber schon immer wusste: eines Tages will ich einen Fallschirmsprung machen! Da kommt so ein runder Geburtstag wie ich ihn vor einiger Zeit hatte doch genau richtig. Also entschied ich mich, den Sprung zu wagen. So richtig Blut geleckt habe ich dann, als ich im vergangenen Jahr für Lotto Baden-Württemberg im Außeneinsatz war und den passionierten Fallschirmspringer Eberhard Gienger kennenlernte. Als Testimonial von LottoBW kommt es immer mal wieder vor, dass er mit dem Lotto-Schirm einen sogenannten Außensprung absolviert. Beim Tag des Denkmals 2016 haben wir ihn den Sprung sogar mit unserer ActionCam filmen lassen.

Nachdem der Kontakt hergestellt war, rückte der große Tag also immer näher … Zugegeben: etwas mulmig war mir schon, als ich dann samstagmorgens auf die Southside Base nach Osterburken fuhr. Dort erwartete mich „Ebse“ – wie er auch genannt wird – schon in voller Montur. Doch irgendetwas stimmt nicht. Immer wieder blickt er fragend in den Himmel und zeigt dem Piloten eventuelle Sprungschleusen zwischen den doch recht dichten Wolken. Findet der Sprung überhaupt statt? Wenn nicht: bin ich dann froh oder ärgere ich mich? Meine Gefühle sind ziemlich gemischt. Aber jetzt bin ich schon mal hier und es gibt kein Zurück!

Dann geht alles recht schnell. Der Turn-Olympionike, der weit über 5.000 Sprünge absolvierte, weist mich in gefühlt 10 Sekunden in die ganze Prozedur ein: Festhalten, Beine anziehen, Kopf nach hinten, Luft holen. Merken kann ich mir das nicht. Aber er versichert mir, dass er mir alles noch mindestens zweimal erklären wird. Hoffentlich. Als wir beide im Overall über den Flugplatz zu unserer Maschine laufen, ertappe ich mich, wie ich mich einen kleinen Moment wie Tom Cruise im Film „Top Gun“ fühle. Doch so schnell wie mir der Gedanke kommt, wird mir auch klar: in wenigen Minuten springe ich aus einem Flugzeug!!! Die Coolness weicht und da ist es wieder: das mulmige Gefühl.

Mit dieser Maschine starteten wir gefühlt senkrecht in die Luft 🙂

Die Propeller der Maschine springen an und wir steigen steil auf. Bei ca. 1.000 Meter Höhe erklärt mir Eberhard, wie ich ihn jetzt nennen soll (alte Springer-Regel: ab 1.000 Meter ist man per Du!), nochmals die ganze Prozedur ausführlich. Dann ist es soweit: 4.000 Meter und ein paar Zerquetschte sind erreicht. Der Motor des Flugzeugs wird ganz leise und ich merke, dass es jeden Augenblick losgeht … Die Türe öffnet sich. Es ist windig, kalt, laut und ich habe eine Milliarde Schmetterlinge oder sonst was im Bauch. Eberhard und ich robben Zentimeter für Zentimeter nach vorne. Jetzt sitzen wir an der Kante. Leider weiß ich nicht mehr, was mir in dem Moment durch den Kopf ging. Dann plötzlich stößt er sich an der Kante ab und wir fallen aus dem Flugzeug! Wir drehen uns und stürzen in die Tiefe. Ich bekomme keine Luft. Ich versuche zu atmen. Ich lache. Ich schreie. Keine Ahnung. Von Null auf 200 km/h in wenigen Sekunden. Regentropfen peitschen mir ins Gesicht … Da kommt sie, die Wolkendecke. Wie sang Reinhard Mey: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“? Ob Freiheit das dominierende Gefühl in diesem Moment ist bezweifle ich. Eher doch die „Angst“ dass sich der Schirm nicht löst. Doch bevor ich länger darüber nachdenken kann macht es „Rrrrsccchhhhh“ und ich merke, wie wir förmlich nach oben gezogen werden. Gott sei Dank, der Schirm hat sich geöffnet. Was jetzt folgt sind gute fünf Minuten Gleiten hoch über Äcker und Wiesen. Jetzt fühle ich die Freiheit. Kurzzeitig darf ich sogar lenken. Dieser Anblick, wenn man gleitet und weiß, dass man es gewagt hat und alles gut ging ist unbeschreiblich!

Stolz stelle ich das Springer-Diplom prominent in meinem Büro auf … 🙂

Viel zu schnell ist es dann doch vorbei. Die Landung ist sanft. Wir richten uns auf und laufen mit dem Schirm wieder über den Flugplatz. Da ist er wieder, der Top-Gun-Moment. Das Grinsen, dass ich in dem Moment hatte, so habe ich es mir später sagen lassen, bekam ich den ganzen Tag nicht mehr weg. Dann noch schnell ein „Sieger-Foto“ und hinsetzen, ausruhen und die Eindrücke versuchen zu verarbeiten.

Egal wie sehr ich mich vor dem Sprung scheute: Jederzeit würde ich es wieder machen. Ich habe mir sogar vorgenommen, jetzt jedes Jahr ein Mal einen Tandemsprung zu absolvieren. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Es ist so intensiv, dass ich in dem Moment, als ich diesen Text schreibe, wieder ganz feuchte Hände bekomme und die 1.000 Schmetterlinge sich wieder zurückmeldeten … Dieser Moment als Türe aufging und wir an der Kante saßen: einfach der Wahnsinn!

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