Aberglaube im Kleiderschrank

Fußballer erliegen manchmal dem Aberglaube, ziehen beispielsweise immer zuerst den linken Kickschuh an, dann den rechten. Oder rennen im fuzzy Don-Johnson-Look übers Feld, getreu dem Motto: Wer rasiert, verliert. Bei Trainern sieht das ähnlich aus. Da gibt es welche, die am Spieltag stets dieselbe Krawatte tragen, solange sie ihnen Glück bringt. Erst, wenn eine Serie reißt und ihr Team verliert, wechseln sie ihren Schlips. Das sind noch eher konventionelle Rituale. Fußballer treiben es mit ihrem Aberglauben manchmal viel doller. Auch ich habe ein Stück Aberglaube im Kleiderschrank hängen: meinen Glückspullover.

Dabei ist das gute Stück alles andere als spektakulär. Anthrazit-Grau mit einem Hauch von Braun wahrlich nichts für Exoten. Aber ein verlässlicher Begleiter allemal. Auch in Sachen Glück. Ich kann aber gar nicht mal sagen, dass besonders auffällig positive Dinge passieren, wenn ich ihn trage. Es ist nur so: Mit diesem Pulli widerfährt mir nichts Schlechtes. Kein einziges Mal in den vergangenen zwei Jahren – so lange trage ich diesen Pulli. Natürlich mit Unterbrechungen …

So sieht es aus, das gute Stück! Mein Glückpullover…

Beispiel gefällig? Ich laufe im Stuttgarter Hauptbahnhof die Treppe zur U-Bahn hinab. Schon oben sehe ich, dass meine Bahn gleich losfahren wird. Ich fange an, mehrere Stufen auf einmal zu nehmen und knicke, fast unten angekommen, mit dem Knöchel beim Auftreten um, verdrehe mir den Fuß und falle beim Sturz auch noch unglücklich auf den Hinterkopf. Mehr erschrocken als von Schmerz gezeichnet, blicke ich der ohne mich wegfahrenden U-Bahn entsetzt hinterher. Als ich mich aufrichte, stelle ich zu meiner Überraschung fest, dass mir nichts fehlt. Null. Nada. Niente. Rien. Nüscht. Zero. Alles gut, selbst Hose – und eben mein Glückspulli sind unversehrt geblieben. Das hätte ins Auge gehen können, hätte ich in dieser Situation Pech gehabt. Ging es aber nicht.

Er ist also weniger ein Glücksbringer als vielmehr ein Pechverhinderer. Aber das würde so niemand sagen. Ich auch nicht. Deshalb ist es mein Glückspullover. Und wenn an Geburtstagen irgendwo die Melodie von „Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen“ erklingt, weiß ich: Wenn ich diesen Pulli anhabe, muss ich mir darüber keine Sorgen machen.  Und vielleicht wird aus dem Pechverhinderer ja ein aktiver Glückspullover. Ich nehme ihn auf jeden Fall mal in eine Lotto-Annahmestelle mit.

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