Glück und Pech liegen oft eng beieinander. Dass oftmals die berühmte Nasenlänge, die jemand vorne liegt, über Ruhm oder Niederlage entscheiden kann, kennt man von den vielen Foto Finishs bei Wettläufen in der Leichtathletik. Beim Fußball ist das ganze etwas vielschichtiger: Pro Partie gibt es hier unzählige kleine Szenen, die ein Spiel entscheiden können. Aus diesem Grund hat sich Spiegel Online gemeinsam mit dem Institut für Spielanalyse und der TU München die Mühe gemacht, die aktuelle Bundesligasaison auf Glück und Pech zu untersuchen. Ganz nebenbei räumen sie dabei auch mit dem viel beschworenen Bayern-Dusel auf… 

 Geht es nur nach Glück, wären der HSV und Werder Bremen aktuell die klaren Spitzenreiter wo hingegen die Bayern und der BVB fast uneinholbar absteigen würden. Und immerhin: Die tatsächlich fast schon sicher abgestiegenen Kicker von Darmstadt 98 würden sich für die Europa League qualifizieren.

Quelle: Spiegel Online

 

Als ehemaliger Fußballer weiß ich selbst nur zu gut, dass tatsächlich manchmal der Sieg an einem seidenen Faden hängt und man mit viel Glück drei Punkte einsackt. Ein glücklicher Abpraller, eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters zugunsten der eigenen Mannschaft garniert mit einem Lattentreffer des Gegners und schon kann man eine Partie gewinnen, obwohl man auf dem Platz klar die schlechtere Mannschaft ist. Oft haben derartige Einzelaktionen schon über ganze Meisterschaften entschieden. Unvergessen bleiben die berühmten 04 Minuten im Mai  2001, als Schalke für vier Minuten deutscher Meister war. Eine glückliche Schiedsrichterentscheidung zugunsten der Bayern und Patrick Anderson, der den indirekten Freistoß zwischen elf Spieler (22 Beine!) in eine Lücke schießt, die kaum größer ist als der Ball selbst. Der FC Bayern München ist Deutscher Meister und Schalke 04 im Tal der Tränen.

Doch ist es wirklich so einfach? Kann man eine ganze Saison nur mit Glück und Pech erklären oder gar mit einer einzigen glücklichen Situation? Fakt ist: Am Ende der Saison hatten die Bayern einen Punkt mehr auf dem Konto und wurden somit verdient Deutscher Meister. Zu einer ähnlichen Ansicht bin ich auch im Nachgang zur EM 2016 in Frankreich gekommen, als ich mich mit der Frage beschäftigte, ob der Erfolgreichste immer auch der Beste ist. Wie wichtig ist denn aber nun Glück für den sportlichen Erfolg? Anhand der aktuellen Glückstabelle wird ganz schnell klar: Am Ende der Saison kommt es auf Leistung an. Glück hingegen spielt keine große Rolle; und das ist auch gut so. Denn wie wäre es sonst zu erklären, dass die Bayern (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) in wenigen Wochen ihre 27. Meisterschaft feiern werden?

In diesem Artikel

Kommentieren