Auf Du und Du mit einem ganz Großen

Günther Schäfer

 

Zum Glück arbeiten wir in der Zentrale des Glücks. Denn die Staatliche Toto-Lotto GmbH ist Teampartner des VfB Stuttgart. Und das ermöglicht es zwei Mitarbeitern der Gruppe Digitale Medien kurz vor dem Ende der Hinrunde ein Sechs-Augen-Gespräch mit Team-Manager Günther Schäfer zu führen.

 

 

Du und die Spieler des VfB haben sehr volle Terminkalender. War das auch in deiner Profi-Zeit schon so?

Es ist ja nicht so, dass Fußballspieler nur Fußball spielen. Sie haben auch viele Termine darüber hinaus, unter anderem Sponsorentreffen, Pressetermine und Events, die wahrgenommen werden müssen.  Auch zu meiner aktiven Zeit war das schon so.  Als ich 1975 zum VfB gekommen bin, war das für mich eine sehr schöne Zeit. Man muss sich das aber ein bisschen anders vorstellen als heute. Heute sind die Gegebenheiten anders, auch die ganze Medienlandschaft ist anders. Und Smartphones haben zudem viele Dinge verändert. Unter anderem die Art und Weise der Präsenz der Personen, die im öffentlichen Leben stehen.

Früher bist du auch ausgegangen, hattest deinen Spaß, aber es wurde nicht so dokumentiert wie heutzutage. Damit ist es heute natürlich umso schwieriger für die Jungs, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Man sieht ja immer wieder, wie viele verschiedene Dinge fotografiert und ins falsche Licht gerückt werden. Da werden womöglich einfach Bilder aus dem Zusammenhang gerissen und ins Netz gestellt. Das macht es für die Spieler nicht einfach, immer die nötige Präsenz nach außen zu zeigen. Das war in den 70ern wesentlich einfacher, da gab’s ja noch nicht mal Handys.

Wolltest du schon immer Profi-Fußballer werden?

Ich wollte immer Profi werden. Aber das wollen ja viele Kinder… Ich war von 1975 bis 1980 Jugendspieler beim VfB Stuttgart. Bei den A-Junioren hab ich dannn zum ersten Mal überhaupt in einer Auswahl gespielt. Die meisten Spieler haben damals den Weg von der C-Junioren-Auswahl über die B-Junioren-Auswahl in die A-Junioren-Auswahl durchlaufen. Bei mir war das anders, ich habe erst bei den A-Junioren in der württembergischen Auswahl gespielt. Und im zweiten Jahr in der Jugendnationalmannschaft. Und mit 18 bin ich dann zu den Profis gekommen.

Wie wird man Profi-Fußballer?

Um Profi zu werden, muss man hart arbeiten und einiges beachten. Du musst noch mehr machen, mehr trainieren, als alle anderen, um den Abstand zwischen dir und den anderen zu vergrößern. Machst du nämlich weniger, holen dich die anderen leistungsmäßig schnell ein. Wenn man der Beste sein möchte, kann man sich keinesfalls in seine Wohlfühloase begeben und zurücklehnen, man muss immer weiter hart an sich arbeiten.

Das Schlimmste im Leben ist, an sich selbst zu scheitern – nicht an der Aufgabe, sondern an sich selbst. Alle Dinge, die du selber im Griff hast, die musst du versuchen, so zu gestalten, dass sie erfolgreich sind. Das ist eigentlich schon immer mein Lebensmotto gewesen. Mein Whatsapp Spruch lautet „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“.

Wenn man das Ziel hat Profi zu werden, muss man alles diesem Ziel unterordnen. Und das kann nicht jeder. Die angehenden Profis sind junge Kerle. Ich kenne das, ich war ja Gott sei Dank auch mal in dem Alter. Deswegen kann ich vieles nachvollziehen. Es ist aber einfach wichtig, dass man auf Dinge verzichtet, die dem eigenen Ziel schaden. Ausgehen bis spät in die Nacht und am Folgetag ein Spiel bestreiten, das funktioniert zum Beispiel einfach nicht.

Einfach noch mehr tun als die anderen, so kann man also Profi werden. Wie viel Glück gehört noch dazu?

 Natürlich gehört ein Quäntchen Glück auch dazu. Schon allein, dass du verletzungsfrei bleibst oder zumindest keine schwerwiegenden Verletzungen hast.

Aber im Großen und Ganzen finde ich: Glück muss man sich erarbeiten. Wenn du jeden Tag in deinem Job alles gibst und alles dafür tust, dass du deinen Job gut machst, dann machst du ihn auch gut. Wie gesagt: Man kann nur an sich selbst scheitern.

Ist es das, was der Team-Manager Günther Schäfer auch den aktuellen Profis vorleben will?

Ich finde grundsätzlich, dass es für einen Verein oder eine Firma wichtig ist, dass man eine klare Philosophie hat und diese Philosophie auch lebt. Ich bin ein Mensch, der sehr viel Wert legt auf Respekt, auf Disziplin, auf Sozialverhalten, auf Teamfähigkeit. Das sind die Tugenden, die ich in der VfB Fußballschule extrem vorgelebt habe. Die Tugenden, die die VfB Fußballschule auch heute noch prägen. Ich habe damals eingeführt, dass es am Ende eines Camps keinen Preis für den besten Spieler gibt, sondern eine Auszeichnung für den Spieler, der sich am sozialsten verhalten hat. Diese Dinge sind wichtig, wenn du die Werte nicht in dir trägst, scheiterst du am Ende an dir selbst – trotz vielem Talent.

Ich bin zudem ein sehr positiv eingestellter Mensch. Ich möchte allen beim VfB vorleben, dass es Spaß macht, hier zu arbeiten, dass es mir Spaß macht, meinen Job zu machen und dass es Spaß macht, ihn so gut wie möglich zu machen. Bei mir gibt’s keine schlechten Tage. Man muss für jeden Tag dankbar sein, den man hier arbeitet.  Ich bin VfBler und der VfB Stuttgart ist für mich wie eine Familie.

Was ist für dich persönlich das größte Glück? Was bedeutet für dich überhaupt Glück?

Gesundheit steht da ganz, ganz oben. Es ist ein großes Geschenk, einfach gesund zu seinund zufrieden zu sein mit dem, was man jeden Tag tut. Dass du jeden Tag wieder aufs Neue starten kannst mit der nötigen Leidenschaft, die nicht nur dich zufriedenstellt, sondern  auch deine Familie zufriedenstellt. Wenn man selbst oder Angehörige oder Freunde gesundheitlichen Problemen bekommt, dann relativiert sich vieles andere.

Hast du das Glück schon einmal kräftig oder hart herausgefordert?

Wie gesagt, ich glaube in erster Linie daran, dass man sich das Glück hart erarbeiten muss. Das gilt vielleicht nicht für das Glück, gesund zu sein. Die Gesundheit kann kommen oder gehen.

Wenn es für den mannschaftlichen Erfolgt wichtig war, dass jemand in den Zweikampf geht, dann habe ich das gemacht, auch wenn es so manches Mal wehtat.  Da habe ich das Glück auch herausgefordert. Ich hatte oft das Glück, dass in diesen Momenten nichts Schlimmes passiert ist. Ein anderer zieht vielleicht zurück und hat das Glück nicht. Manchmal musst du das Glück eben herausfordern.

Mein früherer Trainer Christoph Daum hat immer gesagt: Es gibt kein Glück und Pech. Wenn du bei jedem Training und bei jedem Spiel alles dafür tust, um erfolgreich zu sein, dann geht der Ball an den Pfosten und ins Tor und nicht an den Pfosten und am Tor vorbei.

Du bist bei den VfB-Fans eine Legende, nicht zuletzt wegen deiner Rettungstat gegen Leverkusen, dem berühmten Fallrückzieher. Wie erlebst du solche besonderen Fußball-Momente rückblickend?

Daran denke ich natürlich sehr gerne zurück. Es gab im Laufe meiner Karriere einige Aktionen, an die ich mich gerne zurück erinnere. Aber diese eine Aktion war eine besonders wichtige Aktion für die Mannschaft und für den Verein. Das Lob für diesen Sieg gebührt aber natrülich nicht mir alleine. Ohne alle anderen Teammitglieder hätten wir nie so trainieren können, um diese Leistung dann am Ende auf den Platz zu bringen. Ich war immer ein Teamplayer und das werde ich auch immer sein.

Worin unterscheidet sich die Generation heutiger Fußballer von der Generation Schäfer, Allgöwer, Buchwald?

Nicht großartig, würde ich sagen. Die Besessenheit und der Wille etwas bewegen zu wollen ist eigentlich der gleiche. Ich konnte damals vielleicht mit Hilfestellung besser umgehen. Heute wird Hilfestellung häufig als Kritik aufgefasst. Früher hat man Hilfestellung eher als Hilfe gesehen.

Hilfestellung als Kritik zu sehen ist aus meiner Sicht falsch. Es geht in einer Mannschaft nie um die einzelne Person, sondern immer um das große Ganze. Es geht nicht darum, einen einzelnen zu tadeln, sondern darum, den mannschaftlichen Erfolg zu fördern.

Bist du von einem Trainer einmal böse kritisiert worden?

Selten. Ich habe immer mit hohem Einsatz und hoher Leidenschaft gespielt. Natürlich gab es Trainer, die mich mal auf Fehler angesprochen haben. Aber ich habe diese Kritik nie auf mich als Person bezogen, sondern als Ansporn zum Wohle der Mannschaft verstanden.

Wie stellt sich die Rolle von Sponsoren in der Bundesliga für dich dar? Viele Fußball-Romantiker kritisieren hier gerne und laut.

Sind wir doch ehrlich: Wenn ein Sponsor in einer gewissen Größenordnung bei einem Verein einsteigen möchte, sagt kaum jemand nein. Man hat mit finanzkräftiger Unterstützung ganz andere Möglichkeiten, was zum Beispiel die Kaderzusammenstellung angeht.

Man muss aber natürlich aufpassen, dass eine solche Unterstützung langfristig angelegt ist und nicht nach kürzester Zeit wegbricht. Denn dann würden auf einmal wieder Gelder fehlen und es wäre absehbar, dass der jeweilige Verein sich in der Tabelle wieder nach unten orientieren müsste.

Triffst du als Team-Manager oft mit Sponsoren zusammen?

Bei Sponsoren-Events mit der Mannschaft bin ich immer dabei. Das sind meist auch ganz tolle Aktionen. In diesem Jahr zum Beispiel gab es ein Foot-Golf Event. Unsere Profis und ausgeloste Fans haben auf einer Golfanlage gegeneinander mit den Füßen gegolft. Vor einigen Tagen war auch das Kabinenfest, das unser Hauptsponsor traditionell ausrichtet. In der Heim- und Gastkabine der Mercedes-Benz Arena stehen dabei Spielekonsolen und Tischkicker. Fans und Profis treten gegeneinander an. Ich mag solche Aktionen, da sie in der Mannschaft zu Geschlossenheit führen. Etwas gemeinsam zu machen bringt immer viel Spaß. Die Sponsoren unterstützen den Verein übers Jahr hinweg, da erfüllen wir auch gerne unseren Part, das ist völlig normal.

Spielst du manchmal Lotto oder wettest du auf Fußball-Toto?

 Fußball-Wetten sind in unserem Job nicht gestattet. Aber Lotto 6aus49 spiele ich natürlich. Das große Glück hatte ich dabei noch nicht. Aber häufig mal einen kleinen Gewinn, bei dem der Einsatz wieder rein kam. Wenn ich am Samstag oder Mittwochabend vor dem Fernseher sitze und nicht gespielt habe, dann habe ich sogar ein schlechtes Gefühl. Ich hätte ja womöglich gewinnen können!!

Spielst du immer mit den gleichen Zahlen?

Ja, immer die gleichen. Ich habe mir einmal Zahlen aufgeschrieben auf dem Weg zum Training. Alle Zahlen auf den Kennzeichen der Fahrzeuge, die ich überholt habe oder die mich überholt haben zwischen 1 und 49 habe ich notiert.

Ich spiele damit immer das Vollsystem 6 aus 8. Also acht Zahlen ankreuzen in der Hoffnung auf sechs Richtige. Ich erzähle also nicht nur vom Spiel, sondern ich kenne mich auch aus. Ich weiß nur nicht wie das Gewinnen geht. (lacht)

Wir sind ja als Sponsoren und nicht als Journalisten da. Aber trotzdem die Frage: Was war eine der blödesten Interviewfragen, die man dir je gestellt hat?

 Ich finde, es gibt keine blöden Fragen, es gibt nur blöde Antworten. Egal welche Frage in welcher Form kommt, man sollte eine Lösung dafür finden. Ich bin keiner, der sich vor Fragen drückt oder fürchtet. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, mal eine Frage gestellt bekommen zu haben, auf die ich nicht in irgendeiner Form geantwortet hätte.

Wenn Günther Schäfer auf eine einsame Insel müsste, welche drei Dinge würde er mitnehmen?

Meine Frau, meinen Hund und meine Kinder.

Die entscheidende Frage zum Schluss: Steigt der VfB zum Saisonende auf?

Das große Saisonziel – gar keine Frage – ist der Wiederaufstieg. Und wir können es schaffen. Aber die Liga ist gut und es gibt dementsprechend keine leichten Spiele. Wichtig ist, dass man immer mit dem nötigen Respekt den anderen Vereinen gegenüber auftritt, das erwarte ich von den Vereinen uns gegenüber auch.

Wir sind momentan auf einem guten Weg. Wir haben einen guten Rhythmus gefunden in die Saison. Wir haben Potenzial und eine Mannschaft, die unter Hannes Wolf weiter wachsen wird. Es muss natürlich unser Ziel sein, im nächsten Jahr wieder erstklassig zu spielen. Aber es wäre fahrlässig zu sagen, dass wir auf jeden Fall aufsteigen, weil man im Fußball einfach stark abhängig ist von vielen Faktoren.

Hannes Wolf hat eine tolle Art und Weise mit den Jungs umzugehen. Er ist ein super Trainer und er versucht immer wieder neue spielerische Aspekte mit reinzubringen. In der Wintervorbereitung wird er das ganze Bild der Mannschaft weiter schärfen. Deswegen bin ich guter Dinge, dass wir eine gute Saison spielen werden.

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