Ehrenamtliches Engagement ist wichtig für eine funktionierende Gesellschaft. Deshalb schreibt Lotto Baden-Württemberg seit 1998 den Lotto Sportjugend-Förderpreis aus. Mit insgesamt 100.000 Euro werden außergewöhnliche, bemerkenswerte und pfiffige Aktionen der Vereinsjugendarbeit aus den Jahren 2015 und 2016 prämiert. Mit dabei bei der Preisverleihung im Europa-Park in Rust ist auch wieder Guido Buchwald, Fußball-Weltmeister von 1990, Ehrenspielführer des VfB Stuttgart, Meistertrainer in Japan und langjähriger Lotto-Partner. Wie wichtig für ihn Ehrenamt im Sport ist, welche Erinnerungen er an seine Zeit als Jugendfußballer hat und warum ausgerechnet in Baden-Württemberg die meisten ehrenamtlich tätig sind erzählt er uns im großen Interview.

Beim Lotto Sportjugend-Förderpreis werden Vereine für ihre Jugendarbeit ausgezeichnet. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit als Jugendfußballer?

An diese Zeit habe ich durchweg positive Erinnerungen. Der Zusammenhalt untereinander verbunden mit dem Spaß daran, Fußball zu spielen und Erfolge zu feiern – das war schon etwas ganz Besonderes. Der Sportverein war so etwas wie eine zweite Familie für mich. Ich freute mich immer auf das Training und die Spiele.

Welche Erfahrungen haben Sie dort geprägt?

Besonders geprägt hat mich die Erkenntnis, dass zwar nicht alle Menschen gleich sind, aber dass unterm Strich jeder wichtig ist für das Team – jeder auf seine Art. Denn jeder Mensch hat Respekt verdient und von jedem Menschen kann man etwas lernen. Schon damals war der Fußball eine große Hilfe zur Integration von Zuwanderern, denn über die Kinder kam oft auch der Kontakt zu den Eltern zustande.

Was hat sich Ihrer Meinung nach seit Ihrer Zeit als Jugendfußballer in den Vereinen verändert?

Für kleine Ortschaften wird es immer schwieriger, eigene Mannschaften zu stellen, weil heutzutage viele Kinder ihre Freizeit anders gestalten. Auch die meiner Meinung nach höhere Belastung durch die Schulen trägt dazu bei. Die Vereine müssen den Kindern immer mehr bieten, um attraktiv zu bleiben. Deshalb wird es auch immer schwieriger, ehrenamtliche Betreuer zu finden.

Sie sprechen es gerade an: Ehrenamt muss stärker belohnt werden. Deshalb veranstaltet Lotto Baden-Württemberg bereits zum zehnten Mal den Lotto Sportjugendförderpreis. Mit insgesamt 100.000 Euro ist er einer der höchstdotierten Wettbewerbe überhaupt. Wie wichtig ist so ein Preis für ehrenamtliches Engagement im Sport?           

Sehr wichtig. Die Kinder, Trainer und Betreuer haben ein gemeinsames Ziel und dadurch entsteht auch eine höhere Motivation und Leistungsbereitschaft. Denn gemeinsam ein Ziel vor Augen zu haben – nämlich beim Sportjugend-Förderpreis zu gewinnen – fördert automatisch den Teamgedanken. Das „Wir“ steht im Mittelpunkt, nicht nur das Geld. Das merke ich immer wieder. Auch der gemeinsame Besuch im Europa-Park ist für die Vereine eine tolle Sache.

Welche Bedeutung haben Ihrer Meinung nach Sportvereine in unserer Gesellschaft?

Die Sportvereine fördern die soziale Gerechtigkeit und die soziale Einstellung der Kinder. Zusammen zu gewinnen und zu verlieren, Nachsicht mit den Kameraden zu haben, Trost von den Mitspielern zu bekommen und den etwas Schwächeren zu helfen – das lernen die Kinder am besten in Sportvereinen. Übrigens leisten Vereine auch im Bereich Integration eine sehr wichtige Aufgabe. Weder Familie noch die Politik können das besser.

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Guido Buchwald, die zwölffache Paralympics-Siegerin Verena Bentele und Lotto-Geschäftsführerin Marion Caspers-Merk (v.li.) übergaben 2015 zusammen mit Box-Weltmeisterin Alesia Graf (2.v.re.) und Kunstturner Marcel Nguyen (re.) den Landespreis. Aus den Händen des Jury-Vorsitzenden Professor Dr. Klaus Bös (Mitte) gab es für Lars Hipp, den Jugendsprecher des siegreichen TC Dettingen/Horb, die begehrte Trophäe.

Die  Preise an die Vereine werden wieder im Europa-Park in Rust verliehen. Sie haben ja bereits einige der Verleihungen erlebt. Gibt es eine Episode, an die Sie sich besonders gern erinnern?

Ich erinnere mich an alle Ehrungen sehr gerne. Die Freude der Kinder, Eltern und Betreuer ist wirklich einzigartig. Trotz der Konkurrenz – schließlich möchte ja jeder Verein den 1. Platz erzielen – gibt es eine hohe Anerkennung untereinander. Die Atmosphäre bei den Ehrungen ist wirklich spitze.

Wenn man auf ganz Deutschland blickt, stellt man fest, dass Baden-Württemberg  das Bundesland mit der höchsten Ehrenamtquote (41 Prozent) ist. Was glauben Sie: Warum ist das so?

Wir Baden-Württemberger sind gesellige Menschen mit einer positiven Grundeinstellung zum Leben. Spaß und Freude an einer Sache prägt auch das Vereinsleben. Dies möchten wir natürlich gerne weitergeben und mit anderen teilen.

Blicken wir etwas in die Ferne: Sie haben ja auch viele Jahre in Japan gelebt und waren dort als Trainer erfolgreich. Welche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten gibt es in der Vereinsstruktur?

In Japan werden viele Spieler an den Universitäten ausgebildet. Daher gibt es insgesamt nicht so viele kleine Ortsvereine wie in Deutschland, die Vereinsstruktur ist also nicht so feinmaschig. Lediglich die größeren Städte haben eigene Mannschaften. Das System ähnelt also sehr dem der USA.

Was glauben Sie, woran das liegt?

Sie müssen bedenken: In Deutschland gibt es den Profifußball mittlerweile über 50 Jahre, in Japan gerade einmal gute 20 Jahre. Der größte Unterschied ist also schlicht die Tradition dieses Sports. Somit ist auch zu erklären, dass der Unterbau, also zum Beispiel die Jugendarbeit, noch nicht so fundiert ist.

Was möchten Sie jungen Nachwuchssportlern mit auf den Weg geben?

Spaß und Ehrgeiz sind die wichtigsten Voraussetzungen um erfolgreich zu sein. Und bei aller Liebe zum Sport bitte niemals die Schule vergessen.

Gestatten Sie zum Schluss noch eine Frage abseits des Themas. Trotz der vielen sportlichen Erfolge, Titel und Auszeichnungen verbindet man mit Ihnen immer noch Ihren Einsatz im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1990, in dem Sie Ihren Gegenspieler Diego Maradona „kalt stellten“. Dies brachte Ihnen den Spitznamen „Diego“ Buchwald ein. Wie oft werden Sie heute noch so angesprochen?

(lacht) Das passiert mir noch sehr oft. Aber es gibt sicher Schlimmeres und schließlich war das ja auch der Höhepunkt meiner Karriere, denn nach dem Abpfiff wurden wir Weltmeister.

Herr Buchwald, herzlichen Dank für das Interview.

Übrigens: Die Bewerbungsfrist für den 10. Lotto Sportjugend-Förderpreis endet am 31.12.2016. Nähere Informationen unter: www.sportjugendfoerderpreis.de

 

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