Schauspielerin Julia Koschitz im Interview

Eine Kollegin aus der Redaktion der Kundenzeitschrift glüXmagazin von Lotto Baden-Württemberg hat Schauspielerin Julia Koschitz exklusiv für www.träumdichlotto.de zum Interview getroffen. Dabei ging es unter anderem um ihren neuen Film „Schweigeminute“, nach der gleichnamigen Novelle von Siegfried Lenz, Auswahlkriterien für ihre Rollen und die Bedeutung von Heimat.

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Der Film heißt Schweigeminute – was bedeutet für Sie schweigen?

Ich bewundere Menschen, die immer bei sich sind. Für mich ist es eine große Herausforderung, mich nicht von äußeren Stimmungen beeinflussen zu lassen. Schweigen ist da ein gutes Hilfsmittel für mich. Deswegen bin ich bei der Arbeit auch etwas einsilbig – ich kann nicht viel reden, wenn ich mich konzentrieren will.

Was hat Sie an Siegfried Lenz` Text berührt?

Obwohl diese Erzählung so diskret und respektvoll ist, kommt man den Figuren unglaublich nah. Vielleicht aber auch gerade deswegen. In seiner Beschreibungen der Natur, wie seiner Gedanken zu Stella liegt eine Zärtlichkeit und gleichzeitig eine Brutalität in der Unausweichlichkeit, dessen, was geschehen wird. Das hat mich sehr berührt.

Wie erlebten Sie die Arbeit mit Jonas Nay?

Ich habe Jonas schon vorher gerne spielen sehen und fand, dass er eine perfekte Besetzung für Christian ist. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Ich hatte den Eindruck, dass wir sehr ähnliche Vorstellungen von der Geschichte und der Beziehung der beiden hatten. Auch unsere Arbeitsweisen sind gar nicht so verschieden. Es war unkompliziert und dennoch inspirierend.

Eine Liebe zwischen Lehrerin und Schüler ist per se ein heikles Thema, dennoch passiert es immer wieder. Wie haben Sie sich mit dem Stoff auseinander gesetzt?

Jeder liest eine andere Geschichte in ein und dem selben Buch. Für mich ist diese Liebesgeschichte allgemeingültiger. Natürlich erzählt sie von der Liebe zwischen einem Schüler und seiner Lehrerin, eine spezielle Konstellation, die per se bedenklich ist, ganz abgesehen von dem Altersunterschied, der eine zusätzliche Belastung darstellt. Und obwohl wir zumindest davon ausgegangen sind, dass Christian volljährig ist und sich die beiden nicht nur körperlich angezogen fühlen, sondern durchaus auch auf seelischer und geistiger Ebene etwas zu teilen haben, ist diese Verbindung auf Dauer zum Scheitern verurteilt. Aber das lässt sich auch auf andere Konstellationen übertragen. Für mich erzählt es die Geschichte einer Liebe, die ganz gleich wie lang sie dauert, tiefe Spuren hinterlassen hat, deren Intensität vielleicht gerade durch ihre Unmöglichkeit verstärkt wird.

Was war die größte Herausforderung für Sie?

Eigentlich hätte die größte Herausforderung darin liegen müssen, sich in diesem literarischen Vergleich zu sehen. Ein Aspekt, der natürlich noch mehr für den Regisseur gilt. Ich muss aber zugeben, dass ich mich schnell von der Vorstellung lösen konnte, dem perfekten Bild einer „lenzschen Stella“ gerecht zu werden. Ich habe aus der Novelle und auch aus den Ideen des Regisseurs viel Futter für diese Figur bekommen, die ich aber dann doch, wie immer, versucht habe, aus mir selbst heraus zu holen. Ich habe mich also nicht gescheut, mich auf meine eigene Interpretation zu verlassen.

Erzählen Sie uns etwas von Bornholm. Wie erlebten Sie diese Insel?

Ich war zum ersten Mal auf Bornholm und doch schien mir dieser Ort sehr vertraut. Es ist eine wunderschöne, sanfte und trotz der überschaubaren Größe der Insel vielseitige Natur. Vielleicht lag es daran, dass zu der Jahreszeit nicht mehr so viel los war, aber ich hatte den Eindruck, dass man schnell zur Ruhe kommt. Und ich mochte die Menschen dort – hatte wahnsinnig nette, freundliche und lustige Begegnungen auf Bornholm.

Könnten Sie sich eine Beziehung zu einem viel jüngeren Mann vorstellen?

Mir persönlich würde es wahrscheinlich schwer fallen, so wohl mit einem viel jüngeren, als auch mit einem viel älteren Mann zusammen zu leben, weil ich es sehr schätze, gemeinsame Interessen zu haben. Da kann ein eklatanter Altersunterschied hinderlich sein, weil man einfach andere Lebensthemen hat. Aber manche Menschen sind sehr reif für ihr Alter oder noch sehr jung geblieben, deswegen würde ich meine eigenen Worte auch gleichzeitig wieder entkräften. Wenn man sich ernsthaft verliebt, sollte das Alter kein Hinderungsgrund sein.

Welche Texte/Bücher sprechen Sie privat an?

Zum größten Teil lese ich moderne Literatur und Biografien, aber auch gerne über Geschichte, Politik und Philosophie. Bei Büchern ist es wie bei Filmen, ich beschäftige mich gerne mit Dingen, die mich in irgendeiner Form bereichern – sei es mit neuen Erkenntnissen oder der Fähigkeit mit Sprache umzugehen.

Belgien, Österreich, München – Sie haben schon an vielen Orten gelebt, was bedeutet für Sie Heimat?

Es klingt vielleicht abgedroschen, aber Heimat ist da, wo meine Freunde und mein Familie sind.

Man sagt Ihnen nach, Sie seien sehr wählerisch mit Ihren Rollen. Was genau bedeutet das?

Mein Wunsch ist es, Filme zu machen, für die ich selber ins Kino gehen oder den Fernseher anschalten würde. Mich interessiert die Geschichte, der ganze Film, nicht die Rolle. Dabei versuche ich Projekte zu wählen, die mir neue Gedankenanstösse geben.  Und abgesehen davon achte ich darauf, dass meine Arbeit abwechslungsreich bleibt. Zum einen macht mir die Bandbreite selber Spass, zum anderen hält sie künstlerisch wach.

Welche weiteren Projekte haben Sie gerade in Arbeit?

Ich habe gerade zwei sehr schöne Filme abgedreht und sehe mit Schrecken dem Berg auf meinem Schreibtisch entgegen – das wird wohl mein nächstes Projekt. Ansonsten bereite ich mich bald auf eine Theaterproduktion an den Hamburger Kammerspielen vor.

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