Lotto Baden-Württemberg unterstützt die Wilhelma durch Tierpatenschaften und Spenden. Für uns Grund genug, um einmal mit dem Mann zu sprechen, der täglich für das Wohl von rund 11.000 großen und kleinen Tieren zuständig ist – Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin. Warum Elefanten mehr Ahnung von Fußball haben als Eichhörnchen, was er mit Herrn Tierlieb aus den Benjamin Blümchen Hörspielen gemeinsam hat und was sein tierischstes Erlebnis in der Wilhelma war – das verrät er uns im großen Interview.

Herr Dr. Kölpin, seit einigen Jahren unterstützt Lotto Baden-Württemberg schon die Wilhelma. Wie wichtig ist dieses Engagement?

Sehr wichtig für uns. Als gemeinnützige Einrichtung leben wir zwar hauptsächlich von unseren Eintrittsgeldern und von Zuschüssen des Landes Baden-Württemberg. Aber zusätzliches Engagement, zum Beispiel über Patenschaften, hilft uns sehr darüber hinaus Projekte direkt für die Tiere umzusetzen. Deswegen sind wir über jede Patenschaft dankbar. Lotto Baden-Württemberg unterstützt uns ja jetzt schon einige Jahre und darüber freuen wir uns natürlich sehr

Beim Gedanken an den Beruf des Zoodirektors denken viele Menschen sicher sofort an Herrn Tierlieb, den Zoodirektor aus den bekannten Benjamin Blümchen Hörspielen. Wie viel von Herrn Tierlieb steckt in Ihnen und wie gern muss man Tiere haben, um Ihren Beruf ausüben zu können?

Man muss auf jeden Fall nicht nur tierlieb, sondern auch tierbegeistert sein. Zudem ist es natürlich wichtig, dass man etwas von Tieren versteht, um auch nachhaltige Strategien für einen Zoo entwickeln zu können. Das ist nämlich die Haupttätigkeit eines Zoodirektors. Wie gesagt: Fachwissen und Begeisterung für Tiere sind sehr wichtig, aber der Beruf ist letztlich schon anders, als er oft in Kindergeschichten verklärt wird. In erster Linie ist es ein Managerjob, denn die Wilhelma ist auch ein Unternehmen, bei dem Finanz- oder Personalthemen eine Rolle spielen wie auch Verhandlungen mit Geldgebern oder Politikern. Sie sehen also: Mit dem klassischen Zoodirektor aus älteren Kinderbüchern hat mein Job nicht viel zu tun.

Im Berufsalltag machen Sie sich also nicht mehr allzu oft die Hände schmutzig?

Nein, leider komme ich nicht mehr so richtig dazu. Höchstens wenn orakelt wird, wie jetzt zur EM. Dann komme ich mit den Elefanten in direkten Kontakt. Aber in der Tierpflege bin ich natürlich nicht tätig, dafür fehlt einfach die Zeit. Außerdem haben wir tolle Tierpfleger, die das obendrein viel besser können als ich. Der direkte Kontakt zu den Tieren ist also deutlich eingeschränkter, als es der Außenstehende vielleicht erwartet.

Mit 1.200 Tierarten ist die Wilhelma der zweitartenreichste Zoo Europas. Insgesamt beherbergt die Wilhelma etwa 11.000 große und kleine Tiere. Da kann man schon einmal den Überblick verlieren. Oder kennen Sie alle mit Namen?  

Nicht jedes, aber ich kenne viele mit Namen, zum Beispiel die Elefanten, Nashörner oder Flusspferde und viele mehr. Bei den Menschenaffen fällt es mir schon etwas schwerer, denn hier handelt es sich um recht große Gruppen. Bei den Bonobos und Gorillas kenne ich also nicht mehr jeden einzelnen Bewohner mit Namen.

Bei einer Größe von 30 Hektar und dieser Vielzahl an unterschiedlichen Tieren ist das zugegeben auch nicht einfach. Gibt es trotzdem Bereiche, bei denen Sie auch nach so vielen Jahren als Zoodirektor immer noch gerne vorbeischauen?

Natürlich bin ich ständig auch auf Rundgang durch den ganzen Park und schaue mir die Tiere an. Ich persönlich bin zusätzlich als Kurator für die Elefanten und Nashörner zuständig. Das sind so gesehen auch  meine Lieblings- und Spezialtiere. Aber ich interessiere mich natürlich für alle Tiere in der Wilhelma. Bei den Menschenaffen ist es zum Beispiel sehr interessant,  wenn man sie in der Gruppe erlebt. Denn da herrscht immer viel Action und man bleibt gerne mal etwas länger stehen und beobachtet sie.

Weil Sie gerade das Thema „Tiere beobachten“ ansprechen. Warum sind Zoos wie die Wilhelma wichtig, auch wenn sich von Seiten der Tierschutzaktivisten Widerstand regt?

Große, wissenschaftlich geleitete Zoos wie die Wilhelma, sind unglaublich wichtig, gerade in der modernen Zeit wichtiger denn je. Wir sehen auf der ganzen Welt, dass Arten aussterben und beobachten den Rückgang der Biodiversität. Durch Einrichtungen wie die Wilhelma können wir bedrohte Tierarten als Reservepopulation halten, um sie dann auch wieder auszuwildern, wenn in der freien Wildbahn die Bestände zurückgehen oder sogar ganz verschwinden. Zudem wollen wir auf Umweltprobleme und Artenschutzprobleme aufmerksam machen. Das ist ungleich einfacher mit echten Tieren, die man hautnah erleben kann. Durch den direkten Kontakt entwickeln sich ganz andere Emotionen, gerade bei Kindern. Somit ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich mehr Menschen für den Schutz dieser Lebewesen einsetzen. Das muss das Ziel eines jeden wissenschaftlich geleiteten Zoos sein.

Kürzlich hat Elefantendame Zella den Ausgang der Europameisterschaft orakelt. Was zeichnet eigentlich Zella als Fußball-Orakel aus und was unterscheidet sie von anderen potenziellen Tier-Orakeln?

Ganz klar: Zella zeichnet sich durch ihre enorme Erfahrung aus. Sie ist jetzt 49 Jahre alt und hat schon einige Europa- und Weltmeisterschaften miterlebt. Sie ist also turniererprobt. Aber Spaß beiseite: Ein Elefant kann ganz bewusst Entscheidungen treffen und wie hier speziell nach dem einen oder dem anderen Ball greifen. Eichhörnchen könnten so etwas beispielweise nicht. Die springen immer rein zufällig dorthin, wo gerade Futter liegt. Ich denke, da hat sich Zella bis jetzt bewährt.

Sie sagen es: Die Quote von 66 Prozent richtig getippten Spielen kann sich sehen lassen. Im Achtelfinale hatte sie sogar sieben von acht Partien richtig orakelt und beim Sieg der Isländer gegen England ebenfalls den richtigen Riecher bewiesen. Wie im Übrigen im Finale beim Sieg Portugals. Zukünftig könnten Sie Zella doch eigentlich Ihre Lottozahlen tippen lassen, oder?

Das haben wir ja schon einmal gemacht. Als Lotto Baden-Württemberg die erste Patenschaft übernommen hat, tippte Zella ja unsere Zahlen für das Jahreslos. Leider hatten wir da nicht so viel Glück. Deshalb denke ich, dass sie beim Fußball deutlich mehr Expertise hat als bei den Lottozahlen.

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Vor dem EM-Finale tippte Zella richtig auf Portugal. Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin präsentierte den Ball, den Zella ausgewählt hatte.

Es gibt ja Tiere, denen zugeschrieben wird, dass sie Glücksbringer sein sollen … glauben Sie an tierische Glücksbringer?

Also, wenn es so etwas wie tierische Glücksbringer gibt, dann sind es natürlich die Elefanten. Das ist völlig klar. Ein Elefant ist der beste Glücksbringer, den man haben kann.

Anderes Thema: Alles-Esser, Vegetarier, Veganer… Was kommt bei einem Menschen auf den Teller, an dessen Arbeitsplatz von frisch geschlüpften Küken über kiloweise rohes Rindfleisch bis hin zu exotischen Pflanzen alles in die Gehege kommt?

Ich bin Gemischtkost-Esser. Als Biologe bin ich davon überzeugt, dass die Physiologie des Menschen das auch vorgibt. Wir haben hier im Bestand ja auch vom Veganer bis zum reinen Fleischfresser wie den Tigern alles vertreten. Ich glaube aber, dass wir Menschen viel bewusster mit dem Fleischverzehr umgehen sollten. Wir sollten uns bewusst sein, was genau die Fleischquelle ist, und nicht verschwenderisch mit Fleisch umgehen. Vor allem sollten wir nicht täglich Fleisch essen.

Was bedeutet eigentlich für Sie Glück?

Glück bedeutet, sich in seinem Leben wohlzufühlen, jeden Tag gerne aufzustehen und das gerne zu tun, was man jeden Tag macht. Glück ist auch, das eigene Glück an andere Menschen oder Tiere weiterzugeben. Wenn man sich etwa für Projekte engagiert, also für Menschen oder Tiere, die nicht so viel Glück haben. Natürlich ist eine harmonische Familie auch ganz wichtig.

Letzte Frage: Was war ihr bisher tierischstes Erlebnis in der Wilhelma?

(lacht) Hm, das ist eine schwierige Frage… Eine schöne Geschichte war, als ich meiner Frau zum Hochzeitstag einen Ritt auf Zella geschenkt habe. Das war wirklich ein sehr schönes Erlebnis. Vor allem für meine Frau, denn ich bin schon auf Elefanten gesessen, aber es war toll mitzuerleben und von unten zu betrachten, wie sie sich angestellt hat. Zum Glück haben dies auch alle Beteiligten verletzungsfrei überstanden.

Herr Dr. Kölpin, vielen Dank für das Gespräch.

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