Meine ewige Lottofee

Für mich war sie wie Helmut Kohl. Irgendwie. Halt immer da. Schon immer. Oder fast immer. Und so lange dabei, dass man sich irgendwann niemand anderes an ihrer Stelle vorstellen konnte. Dabei hat Ex-Lottofee Karin Tietze-Ludwig so gar nichts Kohlhaftes an sich.

 

Meine ewige Lottofee

Nicht äußerlich und auch nicht von ihrem Wesen. Jetzt ist die blonde Ex-Moderatorin 75 geworden. Auch wenn sie im Ruhestand ist: Für mich wird sie immer meine persönliche Lottofee bleiben.

Meine Großeltern waren leidenschaftliche Lottospieler. Jeden Samstag gehörte das Verfolgen der Ziehung im Fernsehen deshalb zu einem festen Ritual, eingebettet in Butterbrezeln, Trollinger und der Erwartungshaltung meiner Großmutter: „Bin gespannt, wie sie die Haare heute trägt!“  Mit „sie“ war Karin Tietze-Ludwig gemeint. Ich liebte den Samstagabend mit ihr. Der Frau, die schon lange vor meiner Geburt und noch etliche Jahre nach meiner Geburt „die“ Lottofee war  – und je nach Generation bis heute geblieben ist.  Mehr als 30 Jahre lang war sie in dieser Funktion den Deutschen ein beliebtes Fernsehgesicht.

Als ich 18 Jahre alt geworden bin, hat sie ihren Job als Lottofee an Franziska Reichenbacher übergeben. Im selben Jahr 1998 wurde Helmut Kohl abgewählt. Meine Kindheit war zu Ende.

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